Risiken

Jeder Einsatz technischer Systeme, jeder Eintrag von Stoffen oder Energie in ein System, ja selbst scheinbar unbedeutende Veränderungen eines Systems können zu Wirkungen führen, die eigentlich nicht beabsichtigt waren. Dies können Wirkungen sein, die wir vergessen haben, solche, welche sehr unwahrscheinlich waren (Risiko), oder Wirkungen, die wir zuvor nicht einmal erdenken konnten (Unwissen).

Systeme sind komplex - viel komplexer als uns die Formeln, mit denen wir sie zu beschreiben versuchen, vortäuschen. Sie sind darüber hinaus nie wirklich abgeschlossen. Die Systemgrenzen werden von uns gedanklich und mehr oder minder willkürlich festgelegt. Es gibt also immer auch Wechselwirkungen mit "anderen" Systemen. Diese Systeme können ebenso komplex sein und ebenfalls wechselwirken. In der Summe haben wir es also mit einem Gesamtsystem zu tun, welches nach heutigem Wissen von uns nie vollständig verstanden werden kann.

Auch im Verkehrsbereich treten Wirkungen auf, die nach unseren Gedankenmodellen eigentlich nicht vorkommen dürften; Wirkungen, die nie eingeplant wurden, und zu denen es dennoch mit statistischer Sicherheit immer wieder kommen wird. Dabei kann es sich sowohl um akute Ereignisse (z.B. Störfälle) als auch um langfristige Auswirkungen (z.B. Treibhauseffekt) handeln.

Die Wahrscheinlichkeit des Auftretens eines Störfalls nimmt grundsätzlich zu, je komplizierter das, z.B. im Verkehr, eingesetzte System ist und umso größer der Zeit- und Kostendruck bei seiner Realisierung war. Bei Verkehrsmitteln mit hohen Sicherheitsanforderungen (wie z.B. Flugzeugen) werden deshalb sicherheitsrelevante Bauteile, wenn möglich, zweifach oder dreifach ausgelegt, um das Risiko folgenschwerer Unfälle zu minimieren. Dennoch bleiben immer Restrisiken und es lassen sich darüber hinaus nicht alle Eventualitäten simulieren oder auch nur vorausahnen. So wurden alleine im Jahr 2000 bei Transportunfällen in Deutschland 170 t Gefahrgüter freigesetzt. Die resultierenden Schäden waren z.T. verheerend.

Manchmal treten unerwartete Schadwirkungen erst in einem sehr langen Zeithorizont auf. Als Beispiel für solch eine langfristige Wirkung kann der Einsatz des Unkrautvernichtungsmittels DDT in der Landwirtschaft der 70er Jahre stehen. Bevor man die Gefährlichkeit des Mittels, das sich in der Nahrungskette anreichert und das Erbgut schädigt, erkannt hatte, waren unzählige Menschen betroffen und in bestimmten Gebieten Mitteleuropas ganze Tierarten, wie z.B. die Wanderfalken, ausgestorben. Ähnliche Folgen für die Menschen hat der Einsatz von Blei bzw. heute Benzol in Motorkraftstoffen. Viele Auswirkungen unseres heutigen Handelns werden wir oder unsere Kinder erst rückblickend erkennen können.

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